Weltweit werden Immuntherapien als innovative Behandlungsmethoden von Krebs erforscht und entwickelt. Medigenes Immuntherapien setzen auf eine gezielte Stärkung des Immunsystems, sie nutzen die eigenen Abwehrmechanismen des Körpers und werden bereits in ersten klinischen Studien zum Wohle schwerkranker Patienten getestet. Wir arbeiten daran, die körpereignen T-Zellen zur Bekämpfung schwerer Erkrankungen nutzbar zu machen.

Medigene ist im Frühjahr 2015 einen wichtigen Entwicklungsschritt vorangekommen und hat die erste eigene klinische Studie mit ihren DC-Vakzinen gestartet. Zusammen mit den laufenden akademischen klinischen Studien wird Medigene daraus wichtige Erkenntnisse und weitere Daten zur klinischen Anwendbarkeit und Sicherheit der aktiven Immuntherapie gewinnen. Zugleich bereitet Medigene den für 2016 geplanten Start einer klinischen TCR-Studie zusammen mit einem Konsortium akademischer Partner vor.

Medigenes Immuntherapien

Medigene arbeitet an drei sich ergänzenden, personalisierten immuntherapeutischen Strategien zur Behandlung unterschiedlicher Krebsformen und -stadien. Der Fokus dabei liegt immer auf T-Zellen. Diese weißen Blutkörperchen haben den Auftrag, Krankheitserreger zu identifizieren und zu bekämpfen. Doch Krebszellen werden von ihnen oft nicht mehr erkannt. Medigenes Immuntherapien aktivieren, präparieren und „trainieren“ patienteneigene T-Zellen, um Tumorzellen gezielt aufzuspüren und zu zerstören. Unerwünschte T-Zellen, etwa bei mehreren Formen der T-Zell-Leukämie, können dagegen identifiziert und entfernt werden. Dies soll eine effektive und lang anhaltende Bekämpfung der Erkrankungen ermöglichen.

DCs

Medigenes dendritische Zellvakzine oder kurz DC-Vakzine, sind therapeutische Impfstoffe, die auf die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen mit geringer Tumorlast abzielen. Dendritische Zellen aktivieren körpereigene, spezifische T-Zellen zur Bekämpfung der Erkrankung. Die Verwendung von DC-Vakzinen in Kombination mit anderen Krebstherapien ist ebenfalls denkbar.

Mit der am weitesten fortgeschrittenen Immuntherapie-Plattform entwickelt Medigene antigen-spezifische dendritische Zell (DC)-Vakzine der neuen Generation. Diese Dendritischen Zellen sind in der Lage, Antigene aufzunehmen, zu prozessieren und sie so auf ihrer Zelloberfläche zu präsentieren, dass antigen-spezifische T-Zellen aktiviert und dadurch zur Reifung und Teilung angeregt werden. Die T-Zellen werden dadurch in die Lage versetzt, Antigen-tragende Tumorzellen zu erkennen und zu eliminieren. Ebenso können dendritische Zellen natürliche Killerzellen dazu bringen, Tumorzellen anzugreifen.

Das Team von Medigene hat dafür neue, schnelle und wirksame Verfahren entwickelt, um autologe, d. h. körpereigene, dendritische Zellen reifen zu lassen und so aufzubereiten, dass sie T-Zellen aktivieren können. Die dendritischen Zellen können mit unterschiedlichen Tumor-Antigenen versehen werden, um verschiedene Tumorarten zu behandeln.

DC-Vakzine, die Medigenes Technologien nutzen, befinden sich bereits in der klinischen Testung: Eine klinische prüfarzt-initiierte Phase I/II-Studie zur Behandlung akuter myeloischer Leukämie (AML) läuft am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. Marion Subklewe und eine klinische prüfarzt-initiierte Phase II-Studie zur Behandlung von Prostatakrebs an der Universitätsklinik Oslo unter der Leitung von Prof. Dr. Gunnar Kvalheim. Er behandelt dort auch Patienten im Rahmen von Compassionate Use1) mit DC-Vakzinen.

Erste positive klinische Daten aus diesen Programmen präsentierten Medigenes Kooperationspartner im Jahr 2015 auf mehreren internationalen Konferenzen.

Prof. Dr. Gunnar Kvalheim präsentierte im April 2015 auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research (AACR) in Philadelphia, PA, USA. Die Posterpräsentation zeigte Daten von Patienten mit verschiedenen soliden Tumoren. Alle Patienten mit soliden Tumoren zeigten ein längeres progressionsfreies Überleben, als es aufgrund des Stadiums ihrer Erkrankung zu erwarten war. Im Rahmen der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, FL, USA, wurden im Dezember 2015 klinische Daten von mehreren AML-Patienten aus der laufenden IIT der Universitätsklinik München sowie von Compassionate Use Patienten- der Universitätsklinik Oslo präsentiert. Die darin verwendeten DC-Vakzine wiesen ein sehr gutes Sicherheitsprofil auf. Darüber hinaus waren sie in der Lage, T-Zell-Antworten in älteren AML-Patienten hervorzurufen, für die keine Stammzelltransplantation in Frage kam.

Im März 2015 gab Medigene auch den Start einer klinischen Phase I/II-Studie mit der DC-Vakzine zur Behandlung von akuter myeloischer Leukämie (AML) bekannt. Die Studie, die zusammen mit der Universitätsklinik Oslo in Norwegen durchgeführt wird, ist Medigenes erste eigene klinische Prüfung von personalisierten DC-Vakzinen. Die Studie wird mit AML-Patienten, die bereits eine Chemotherapie durchlaufen haben und deren Rückfallrisiko durch die DC-Vakzine gesenkt werden soll, durchgeführt. Dabei werden weitere Daten zur klinischen Anwendbarkeit und Sicherheit der aktiven Immuntherapie gewonnen. Nach einem ersten Teil mit sechs Patienten (Phase I-Studie) plant Medigene weitere 14 Patienten in einer anschließenden Phase II-Studie zu behandeln.

Im März 2015 erteilte das Europäische Patentamt ein Patent mit einer Laufzeit bis 2027 zum Schutz des Herstellungsprozesses für reife dendritische Zellen, der von Wissenschaftlern der Medigene mitentwickelt wurde. Im Mai 2015 gab Medigene bekannt, dass ein anderes US-Patent bis 2031 verlängert wurde. Die bisherige Laufzeit endete 2028. Medigene hält eine exklusive Lizenz auf diese für das DC-Programm zentralen Patente.

Ausblick: Medigene wird die im März 2015 gestartete Phase I/II-Studie zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (AML) 2016 wie geplant fortsetzen. Weiterhin werden Medigenes DC-Impfstofftechnologien in prüfarzt-initiierten, unabhängig finanzierten und durchgeführten Studien (IITs) der Universitätsklinik Oslo (Phase II-Studie in Prostatakrebs) und der Universitätsklinik München (Phase I/II-Studie in AML) verwendet. An der Universitätsklinik Oslo läuft zudem ein Compassionate Use (Heilversuch) mit Medigenes DC-Vakzinen, das Patienten mit verschiedenen Tumorarten einschließt.

1) Klinischer Heilversuch (Compassionate Use): Ärztlich angeordneter Einsatz noch nicht zugelassener Arzneimittel bei Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen ohne Therapiealternative

  • Zerstörung von Krebszellen durch DC-aktivierte T-Zellen.

    DC Vakzine sind therapeutische Impfstoffe, die auf die Behandlung von Krebserkrankungen mit geringer Tumorlast abzielen.

    Tumor
    T-Zellen
    DC Vakzine
  • Zerstörung von Krebszellen durch DC-aktivierte T-Zellen.

    Dendritische Zellen aktivieren körpereigene T-Zellen, die dadurch in die Lage versetzt werden, Krebszellen zu bekämpfen.

    Tumor
    T-Zellen
    DC Vakzine
  • Zerstörung von Krebszellen durch DC-aktivierte T-Zellen.

    Ein Teil der aktivierten T-Zellen bleibt mit Gedächtnisfunktion im Körper erhalten und können bei erneutem Auftreten von Krebs-Zellen selbständig eine Immunreaktion hervorrufen.

    Tumor
    T-Zellen
    DC Vakzine

TCRs

Medigene entwickelt die TCR-basierte T-Zell-Therapie zur Behandlung von fortgeschrittenen Krebserkrankungen mit hoher Tumorlast. TCRs steht für T-Zell-Rezeptoren. Ziel ist es, körpereigene T-Zellen so umzurüsten, dass sie mit Hilfe spezifischer T-Zell-Rezeptoren einen Tumor erkennen und gezielt angreifen.

Dieser immuntherapeutische Ansatz versucht die bestehende Toleranz gegenüber den Krebszellen und die tumor-induzierte Immunsuppression im Patienten zu überwinden, indem die T-Zellen des Patienten außerhalb des Körpers (ex-vivo) aktiviert und modifiziert werden. Eine große Anzahl an spezifischen T-Zellen die den Tumor bekämpfen können, kann für Patienten innerhalb kurzer Zeit verfügbar gemacht werden.

Medigene entwickelt im Rahmen dieser Plattform eine wachsende Bibliothek an rekombinanten T-Zell-Rezeptoren. Zudem wird derzeit ein Verfahren zur Kombination dieser Rezeptoren mit patienteneigenen T-Zellen gemäß den regulatorischen GMP-Standards (Good Manufacturing Practice, GMP) etabliert.

Im März 2015 hat das renommierte Fachjournal „Nature Biotechnology“ einen wissenschaftlichen Artikel über positive Forschungsergebnisse zu TCRs veröffentlicht. Die Ergebnisse wurden innerhalb einer Forschungsallianz von Prof. Dr. Thomas Blankenstein, Direktor des Institutes für Immunologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin und Arbeitsgruppenleiter am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin, in enger Kooperation mit Prof. Dr. Dolores Schendel generiert. Diese Allianz wird seit 2006 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt, der Medigene als Mitglied angehört.

Im September 2015 präsentierte Medigenes Kooperationspartner, das Helmholtz Zentrum München, auf dem European Congress of Immunology in Wien Daten, die im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Grundlagen und Anwendung adoptiver T-Zelltherapien“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhoben wurden. Im gleichen Monat präsentierte Medigene auf der Inaugural International Cancer Immunotherapy Conference in New York ein Poster mit dem Titel „Expitope: A webserver for TCR candidate validation“.

Im Januar 2016 berichtete Medigene über die Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne bei der Erforschung neuer Charakterisierungstechnologien für die TCRs. Das Ziel ist eine bessere und schnellere Methode für die Selektion von tumorspezifischen T-Zellen zu etablieren. Diese sollen geeignete T-Zell-Rezeptoren (TCRs) exprimieren, um in Medigenes wachsende TCR Bibliothek überführt zu werden.

Ausblick: Für die adoptive T-Zell Therapie mit TCR-modifizierten T-Zellen wird die Entwicklung eines GMP-konformen Herstellungsprozesses fortgeführt. Medigene bereitet die klinische Entwicklung erster Produktkandidaten vor. Zudem werden neue TCRs spezifisch für vielversprechende Tumor-assoziierte Antigene isoliert und charakterisiert. Medigene strebt für diesen Therapieansatz den Start von bis zu drei klinischen Studien an, von denen die erste im Jahr 2016 starten soll (IIT Phase I-Studie mit Medigene-Beteiligung, vorbehaltlich öffentlicher Fördergelder). Von Medigene verantwortete und finanzierte Studien sollen voraussichtlich 2017 sowie 2018 beginnen.

  • Modifizierte T-Zellen erkennen die Krebszellen und vernichten sie.

    Medigene entwickelt die TCR-basierte T-Zell-Therapie zur Behandlung von fortgeschrittenen Krebserkrankungen mit hoher Tumorlast.

    Tumor
    T-Zellen
    TCR-modifizierte Zellen
    Vektor-vermittelter Transfer von T-Zell-Rezeptoren
  • Modifizierte T-Zellen erkennen die Krebszellen und vernichten sie.

    Ziel ist es, körpereigene T-Zellen so umzurüsten, dass sie mit Hilfe spezifischer T-Zell-Rezeptoren einen Tumor erkennen und gezielt angreifen.

    Tumor
    T-Zellen
    TCR-modifizierte Zellen
    Vektor-vermittelter Transfer von T-Zell-Rezeptoren
  • Modifizierte T-Zellen erkennen die Krebszellen und vernichten sie.

    Diese umgerüsteten T-Zellen führen zu einer gezielten Zerstörung der Tumor-Zellen.

    Tumor
    T-Zellen
    TCR-modifizierte Zellen
    Vektor-vermittelter Transfer von T-Zell-Rezeptoren

TABs

Medigenes TABs-Therapie zielt auf die Behandlung von T-Zell-vermittelten Erkrankungen, wie z. B. die T-Zell-Leukämie. TABs steht für T-cell specific AntiBodies (T-Zell-spezifische Antikörper).

Medigene arbeitet an der Generierung von monoklonalen Antikörpern, die unterschiedliche T-Zellen erkennen und unterscheiden können. Diese T-Zell-spezifischen Antikörper können im Körper T-Zellen erkennen oder markieren als auch unerwünschte T-Zellen, wie z.B. bei der T-Zell-Leukämie entfernen. Medigene möchte monoklonale Antikörper mit der Fähigkeit zur Unterscheidung verschiedener T-Zellen produzieren und charakterisieren. In präklinischen Studien wurde ein Nachweis der technischen Machbarkeit (proof of technology) erbracht.

Ausblick: Die präklinische Entwicklung der Anti-TCR monoklonalen Antikörper (TABs) wird weiter geführt mit dem Ziel, „proof of principle“ zu erreichen.

  • T-Zell spezifische Antikörper Therapie zur Entfernung unerwünschter T-Zellen.

    Körpereigene T-Zellen können so fehlgerichtet sein, dass sie statt den Organismus zu schützen, eigene gesunde Zellen angreifen.

    T-Zellen
    Krankheitsverursachende T-Zellen
    T-Zell spezifischer Antikörper
  • T-Zell spezifische Antikörper Therapie zur Entfernung unerwünschter T-Zellen.

    Die TABs-Therapie zielt auf die Bekämpfung dieser krankheits-verursachenden T-Zellen. Hierfür entwickelt Medigene monoklonale Antikörper, die unterschiedliche T-Zellen erkennen und unterscheiden können.

    T-Zellen
    Krankheitsverursachende T-Zellen
    T-Zell spezifischer Antikörper
  • T-Zell spezifische Antikörper Therapie zur Entfernung unerwünschter T-Zellen.

    Sind die unerwünschten T-Zellen eliminiert, bleiben die gesunden T-Zellen zur natürlichen Immunabwehr bestehen, wie präklinische Erkenntnisse belegen.

    T-Zellen
    Krankheitsverursachende T-Zellen
    T-Zell spezifischer Antikörper

PIPELINE

 

Bei Medigene steht die Entwicklung personalisierter Immuntherapien mit Schwerpunkt auf Blutkrebserkrankungen im Fokus. Nach einer ersten eigenen klinischen DC-Vakzine-Studie sollen weitere Produktkandidaten in die klinische Erprobung folgen. 

Grafik: Medigene Pipeline Grafik: Medigene Pipeline

Am Anfang eines jeden innovativen Arzneimittels steht die Suche nach einem neuen Wirkstoff. Sind potenzielle Produktkandidaten für neue Arzneimittel definiert, müssen diese in vorgeschriebenen präklinischen und klinischen Studien auf ihre Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit getestet werden, bevor sie von den Arzneimittelbehörden für die Vermarktung zugelassen werden. Dies geschieht in mehreren Phasen.

  • PRÄKLINIK:

     

    In der Präklinischen Phase der Medikamententwicklung wird ein neuer Wirkstoff in Sicherheit- und Wirksamkeitstests außerhalb des Menschen geprüft.

  • KLINISCHE PHASE I:

     

    In der Klinischen Phase I wird eine erste Testung des neuen potentiellen Wirkstoffes an gesunden Menschen (in der Onkologie an Patienten) zur Prüfung von Toxizität und Dosis vorgenommen.

  • KLINISCHE PHASE II:

     

    In der Klinischen Phase II wird die erste Wirksamkeits-Testung des neuen Medikamentenkandidaten am Patienten durchgeführt.

  • KLINISCHE PHASE III:

     

    In der Klinischen Phase III werden Tests des potentiellen Produktkandidaten an einer hoher Patientenzahl für statistisch signifikante Sicherheits- und Wirksamkeits-Daten vorgenommen.

  • ZULASSUNG:

     

    Während des Zulassungsprozesses entscheidet die zuständige Behörde über eine Marktzulassung des Medikamentenkandidaten. Basis ist ein Antrag, der zusammengefasste und bewertete Daten zu Herstellung, präklinischen und klinischen Prüfungsergebnissen umfasst.

PRODUKTE AUßERHALB DES KERNGESCHÄFTS (auslizenzierte und veräußerte Produkte)

 

Außerhalb des Kerngeschäfts erzielt Medigene Umsätze mit dem Medikament Veregen®, das von Partner-Vertriebsunternehmen weltweit vertrieben wird. Den fortgeschrittenen Medikamentenkandidaten, EndoTAG®, hat Medigene im Dezember 2015 an den bisherigen Lizenzpartner SynCore verkauft. Einen weiteren Medikamentenkandidaten, RhuDex®, hat Medigene 2014 an das Partnerunternehmen Dr. Falk Pharma auslizenziert, das die Kosten und die Verantwortung für die weitere Entwicklung übernimmt. 

Mehr zu den Medikamenten bzw. Medikamentenkandidaten außerhalb von Medigenes Kerngeschäft: Lagebericht 2015

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